Ein Ehepaar kam zu uns in die Mediation. Die Frau wollte sich vom Ehemann trennen. Die Stimmung zwischen den beiden war deshalb auch so gereizt,weil ein Gespräch miteinander überhaupt nicht mehr möglich war. Die Dialoge eskalierten mit den immer gleichen Vorwürfen.
Um ihnen deutlich zu machen, wie es zu diesem Teufelskreis kam, schlugen wir vor, ganz einfach mit mit dem Beispiel des letzten Tages zu arbeiten:
Er: Geh doch ruhig zum Geburtstag Deiner Freundin, ich bleibe bei den Kindern.
Sie: Wenn das für Dich o.k. ist?
Er: Ja, geh nur. (Mimik, Tonfall und Körperhaltung signalisieren etwas anderes)
Sie: Dann gehe ich jetzt.
Er: Wann kommst Du zurück? (wünscht sich, dass er sie noch sieht, solange
er wach ist)
Sie: nicht so spät. (ärgerlich und frustriert, dass sie nicht offen lassen kann, wann sie dort aufbricht und dass er sie das immer fragt oder anruft, wann sie denn nach Hause käme)
Sie ging mit schlechtem Gewissen und dachte, am liebsten wäre es ihm, ich bliebe zuhause.... dachte, jetzt kommt sie absichtlich so spät, dass ich schon
schlafe.... So interpretierten beide die Gedanken des anderen und waren übellaunig und gereizt.
Wir übten mit den beiden in der Mediation im Rollenspiel einen Dialog, der für beide Klarheit über ihre Bedürfnisse ausdrückte.
Er: Geh doch ruhig zum Geburtstag Deiner Freundin, ich bleibe bei den Kindern.
Sie: Wenn das für Dich o.k. ist?
Er: ja, aber ich würde dich gerne noch sehen, bevor ich ins Bett gehe das ist so gegen 22.30 Uhr.
Sie: Das möchte ich Dir nicht versprechen. Ich würde es gerne von der Stimmung auf dem Geburtstag abhängig machen, wann ich zurückkomme. Ich habe ein Bedürfnis nach Autonomie und Spontanität und möchte mich nicht festlegen. Ich habe meine Freundin so lange nicht gesehen.
Er.: Das finde ich schade, ich hätte dich gerne gesehen vor dem Einschlafen.
Sie: ich möchte mich heute nicht festlegen. Danke, dass Du bei den Kindern bleibst.
Er: ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Nun sind zwar in diesem Fall die Bedüfnisse unterschiedliche, aber es ist zumindest Klarheit geschaffen für die konkrete Situation und vermieden, dass die beiden ihre Energie damit vergeuden, sich über das, was der andere denken möge, den Kopf zerbrechen.