Ein kleiner Nikolaus
In einem Unternehmen legte der Geschäftsführer jedes Jahr am 6. Dezember einen kleinen Schokoladennikolaus auf die Schreibtische der Beschäftigten. Nach einigen Jahren zweifelte er: „Ob sich die Kolleginnen und Kollegen wohl wirklich über den Nikolaus freuen? Sie haben nie etwas dazu gesagt. Vielleicht finden sie es sogar albern.“
In diesem Jahr verteilte er keine Nikoläuse. Was bisher nie passiert war, geschah gleich am nächsten Morgen. Es gab eine Reaktion. Eine Kollegin fragte: „Wieso gibt es in diesem Jahr keinen Nikolaus?Ist etwas nicht in Ordnung? Es war immer so nett mit dem Nikolaus am Morgen auf dem Schreibtisch.“ Der Geschäftsführer erzählte von seinen Zweifeln und fragte: „Ja, freut Ihr Euch denn darüber?“ Die Kollegin erzählte, wie sehr sie sich immer über den Nikolaus gefreut hatte. Und die anderen Beschäftigten bestätigten, dass sie das genauso empfunden hätten. Von da an gab es am 6. Dezember wieder einen Nikolaus für alle.
Diese kleine Begebenheit wurde uns im Rahmen einer begleiteten Teamsitzung als Beispiel dafür erzählt, worum es im gemeinsamen Umgang miteinander geht und was es zu lernen gab: Wir alle brauchen Rückmeldung, Kommunikation, Austausch, Offenheit, Wertschätzung und Gesehenwerden. Seitdem erbitten sich oder bestehen die KollegInnen auf deutliche Rückmeldungen gegenseitig und spüren die Erleichterung, die sich einstellt. Das Beispiel hat sie sensibilisiert für die Bedürfnisse, die ihrem Handeln zugrunde liegt.

Mediation und Teambegleitung für Unternehmen und Institutionen


Ein Fallbeispiel

Wir wurden vom Geschäftsführer eines mittleren Unternehmens, in dem die Stimmung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gereizt und belastend war,, um Unterstützung angefragt. Das Arbeitsklima in der Belegschaft war äußerst angespannt. Dieser Zustand verbrauchte viel Energie. So wie die Arbeitsfreude nachließ, stieg der Krankenstand. Die Situation schien völlig festgefahren/ausweglos.
Im Vorgespräch mit den Geschäftsführern sah es so aus, als ob die Ursache für die unerfreuliche Stimmung die Anwesenheit und das Verhalten einer einzelnen Kollegin gewesen sei.
Wir setzten für den akuten Konflikt einen ganzen Vormittag mit allen MitarbeiterInnen und den Geschäftsführern an. Gemeinsam arbeiteten wir heraus, was bleiben und was sich ändern soll und welche Bedürfnisse bei den einzelnen MitarbeiterInnen vorhanden waren: Bedürfnisse nach Zuverlässigkeit, Kooperation, Transparenz, Kommunikation, Klarheit, Offenheit, Kollegialität, Verbindlichkeit....
Neben dem Konflikt mit der „schwierigen“ Kollegin wurde allen deutlich, dass es unabhängig von dieser Ebene / Person sehr viele angesammelte Mißverständnisse zu klären gab.
Wir schlugen ein Forum vor, in dem Informationen, Wertschätzung, konstruktive Kritik und Rückmeldungen Raum bekommen sollten. Bislang wurden viele Informationen zwischen Tür und Angel oder in der Mittagspause ausgetauscht, weshalb es zu etlichen Ungereimtheiten kam.

Wir begleiteten den Aufhebungsvertrag mit der Kollegin und gingen zeitgleich an, das aufzuarbeiten, was den MitarbeiterInnen bislang gefehlt hat: in erster Linie Kommunikation. Eine von uns leitet seitdem alle acht Wochen eine zweistündige Teamsitzung mit der gesamten Belegschaft. Denn es ging letztlich nicht um einen personalisierten Konflikt, sondern um eine fehlende Struktur in dem gesamten Betrieb.
Das Team lernte/lernt mit jeder Sitzung mehr, sich gegenseitig zuzuhören, wertschätzendmiteinander umzugehen, auf Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu verzichten, Kritik so zu formulieren, dass das eigene Bedürfnis und der eigene Wunsch dabei deutlich werden. (Z.B. ein Kollege wollte gerne in die Bewerbungsgespräche miteinbezogen werden...)

Ein Ergebnis unter anderem ist auch, dass einzelne KollegInnen um Unterstützung bitten (z.B.: Wem fällt es leichter als mir, eine englische e mail zu schreiben?)und sich neue Konstellationen in der Zusammenarbeit ergeben. Es artikulieren sich auch durch die Runde, die wir leiten, alle Beschäftigten ohne Ausnahme und nicht nur diejenigen, denen es leicht fällt, sich zu artikulieren.
Mittlerweile ist die Effektivität und Effizienz der Belegschaft deutlich gestiegen, die Energie kann wieder zur Aufgabenerledigung genutzt werden, und alle betonen, wie gerne sie nun wieder zur Arbeit kommen.